Markteffizienzhypothese – Mumpitz oder Realität?

Die Markteffizienzhypothese (in der Literatur vor allem bekannt unter dem englischen Begriff „Efficient-market hyptothesis“) ist eine Theorie, die im Rahmen der Finanzwissenschaft entwickelt wurde. In wenigen Worten zusammengefasst besagt sie, dass in einem perfekten Markt alle Informationen zu einem Asset bereits bekannt sind und somit im Preis widergespiegelt werden. Die Folge daraus sei, dass kein Informationsteilnehmer einen Informationsvorsprung haben kann und somit auch keine Chance, den Markt langfristig zu schlagen. Kursbewegungen auf vermeintliche Neuigkeiten seien zufällig und nicht aufgrund der Information bedingt.

Was ist dran an dieser Theorie? Einige Wissenschaftler haben empirische Studien durchgeführt.

Arten der Markteffizienzhypothese

Unterteilt wurde die Markteffizienzhypothese von Eugene Fama in drei Varianten.

Schwache Markteffizienzhypothese

Diese Markteffizienzhypothese geht davon aus, dass Kursverläufe der Vergangenheit im aktuellen Kurs bereits berücksichtigt wurden. Somit bringt eine Analyse der Vergangenheit, wie sie in der technischen Analyse üblich ist, keine Vorteile. Zukünftige Kurse sind somit zufällig.

Mittelstrenge Markteffizienzhypothese

Zur schwachen Markteffizienzhypothese kommt hier noch die Information aus öffentlichen Berichten hinzu: Bilanzen, Geschäftsberichte und Ähnliches. Damit würde die Fundamentalanalyse, die gerade auf diesen Informationen aufbaut, ad absurdum geführt werden.

Strenge Markteffizienzhypothese

In dieser Betrachtungsweise der Markteffizienzhypothese kommen noch alle weiteren Informationen hinzu, wie etwa Insiderwissen.

Empirische Untersuchung der Markteffizienzhypothese

Diese drei Varianten wurden untersucht. Das Ergebnis ist durchaus interessant.

Empirische Untersuchung der schwachen Markteffizienzhypothese

Diese besteht tatsächlich. Technische Analysen scheinen also nur einen kurzfristigen Vorsprung zu bringen. Einen Strich durch die Rechnung machen die Transaktionskosten, die mögliche Gewinne schnell vernichten.

Empirische Untersuchung der mittelstrengen Markteffizienzhypothese

Hier sind die Informationen ein wenig widersprüchlich. Es kann also die Existenz der mittelstrengen Markteffizienzhypothese weder bestätigt noch dementiert werden.

Empirische Untersuchung der strengen Markteffizienzhypothese

Der jetzige Stand der Wissenschaft geht davon aus, dass die strenge Markteffizienzhypothese nicht der realen Welt entspricht. Gerade bei großen Informationsverlautbarungen kommt es zu starken Kurssprüngen. Zinsveränderungen, Ausbruch von Kriegen und vergleichbare Kategorien lassen den Markt unkalkulierbar werden. Wären diese Informationen bereits vorher in den Märkten vorhanden, dann würde es nur kleine oder gar keine Kursänderungen geben.

Was kann man nun daraus folgern, vor allem für seine eigene Anlagestrategie?

Eine Folge aus diesen Ausführungen ist, dass Newsportale, wie der Samuelssons Rapport, der regelmäßige Informationen rund um das Wirtschaftsgeschehen und allgemein zum Handel an der Börse bieten, durchaus ihre Berechtigung haben. Kurzfristige Bewegungen wird man mit diesen Nachrichten kaum nutzen können, zu alt sind die Informationen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Je langfristiger der Anlagehorizont allerdings ist, desto größer stehen die Chancen, dass die Informationen nützlich sind, auch wenn man Sie nicht direkt nach Veröffentlichung konsumiert.